Thinkpiece: Instagram als Maßstab für Erfolg und Selbstachtung.

Instagram, wo wären wir nur ohne dich?

In Zeiten in denen wir ein Foto mit 4 verschiedenen VSCO Filter überlagern, der wärmeverpufften Speisen, weil das perfekte Foto erst Nummer 78 ist, an dem Punkt angelangt, an dem es Instahubbies + buchbare Instabutler gibt (ja, tatsächlich!), ist der Fokus und die thematische Auseinandersetzung mit dieser Plattform nicht abwegig.

Zugegeben – das haben schon einige vor mir, aber meinen Senf hatte ich noch nicht dazugegeben, also here we go.

Wieviele Menschen würden sich ein Leben ohne diesen Social-Media-Kanal wünschen, eine Fee oder ein Computer-Genie aus dem Silicon Valley herbeisehnen, um diese APP einfach mal lahm zu legen, oder gleich für immer in den Tiefen der Server zu versenken. 

Stellt euch mal die Schadenfreude derjenigen Menschen vor, die sich immer wieder aufs Neue ärgern, wenn „Influencer“ immer erfolgreicher werden und es sogar „Nobodies“ trotz lästigen Algorithmus in den 4stelligen Follower-Bereich schaffen. 

Der Neid is’ a Hund. 

„Es definieren sich alle nur noch über ihre Followerzahl, dabei ist das alles so fake.“

Bis ich auf meine 470.000 Abonnenten komme wird sicher noch ein Sommer vergehen (soll ich den Algorithmus nochmal erwähnen?), deshalb finde ich gerade nichts authentischer, dass ich an meiner Stelle, mit meinen paar Followern, meiner „Reichweite“ und relativ am Anfang meiner Onlinepräsenz, anstelle von jemanden, der mit diese App unter anderem sein Geld verdient, darüber schreibe.

Aus dem Grund, dass ich theoretisch einfach lästern und mich darüber ärgern könnte, warum der und die und nicht ich und eigentlich sollte und whatever – das Ganze ließe sich auch super logisch durch-argumentieren wenn ich es drauf anlegen würde; aber es wäre weder ehrlich, noch würde es irgendjemanden etwas bringen. 

In diesem Thinkpiece liegt mein Augenmerk besonders auf den Personen für die Instagram ein Beruf, Job und eine Einnahmequelle darstellt.

Deshalb sei kurz und knackig gesagt, „Follower“ sind unter anderem ein Richtwert an dem man sich selbst und seine Arbeit und auch Firmen den Erfolg eines jenen Accounts messen können. Unter anderem. 

Wenn nicht gekauft und alles mit rechten Dingen zugeht, man gesehen wird und die Interaktion stimmt.

Ja, es ist ein Beruf. Ja, damit kann man Geld verdienen. Gutes Geld, aber es ist auch harte Arbeit.

Und genau da sind wir beim Kern angelangt. Genau hier wird über den Berufsstand gelacht, die Generation Y auseinander genommen und das Unverständnis ragt bis in den Himmel. Aber es sei mal klargestellt: mit unserer Generation und mit jeder anderen Generation, ob vor oder auch nach uns – die Zeiten (ver)ändern sich, neue Berufe werden geschaffen und alte werden wegfallen. Die Unterschiede werden teilweise so enorm werden, dass man die neuen Berufe zu Anfang garnicht als solche einschätzt und in weiterer Folge wahrscheinlich nicht ernst und für voll und tatsächlich nehmen kann; aber es wird so sein – und bis vor ein paar Jahren haben die, die sich aus Spaß und Freude eine Homepage gebastelt haben, nicht vorstellen können, „Instafame“ zu werden oder einen Award für die „beste Fashionbloggerin“ zu bekommen. 

Also hören wir doch auf uns über die Arbeit anderer andauernd lustig zu machen, sie ständig in Frage zu stellen und lieber reflektiert darüber nachdenken wie wir damit umgehen, wie sehr wir uns inspirieren/beeinflussen lassen und uns mit der eigenen Interaktion kritisch auseinandersetzen.

Die weiteren Kreise

Und jetzt blicke ich mich um und denk’ mir – womit definieren sich die meisten Menschen

Die Antwort findet jeder bei sich. Natürlich ist es Ansichtssache, es verändert sich hin und wieder und es kommt auch speziell auf den persönlichen Reifegrad an– meiner Meinung nach. Aber sind wir uns ehrlich: es ist doch in den meisten Fällen schlicht und ergreifend der Erfolg. Der ist wiederum sowieso individuell. Aber vergleichbar damit wie individuell wir alle sein wollen, sehen wir uns tatsächlich einbisschen zu oft um und eifern Idealen nach, um zu werden wie sie. Wir vergleichen, kopieren und von Individualität ist nicht nur auf Instagram wenig zu sehen.

Doch es ist der Erfolg der uns den Glauben an uns selbst schenkt, dass wir in dieser überlaufenen Welt etwas wert sind, der uns Stoff zum Reden und Austauschen gibt und Eltern mit Stolz erfüllt und uns ein gutes Gewissen bereitet, in der Hoffnung in ihren Augen kein Fehler gewesen zu sein.

Erfolgsmaßstab

Der Unterschied der Erfolgsmessung ist oftmals marginal, aber doch auch geschlechterspezifisch. Bei Männern oftmals am Konto- und Frauenstand für sie „ermittelbar“, ändert sich bei Frauen allein schon durchs Kinder bekommen wesentlich die Perspektive. Das ist wichtig und gut so, es zu verteufeln doch irgendwie sinnlos.

Natürlich möchte ich, wenn ich Zeilen schreibe oder z.B. auch ein Buch, in den Menschen etwas bewegen und bestenfalls etwas bewirken. Sie zum Nachdenken anregen und ihnen einen Input schenken, mit dem sie hoffentlich etwas anfangen können. Wahrscheinlich sind die Rezensionen die ich auf eine Buchveröffentlichung bekomme mein persönlicher Erfolg, natürlich nur die positiven. Vielleicht bin ich aber zu dem Zeitpunkt dann schon soweit, dass ich es für mich als Erfolg einstufen kann, es einfach fertig geschrieben zu haben; oder den Prozess des Schreibens als persönlichen Erfolg zu werten.

Who knows. 

Was wäre verwerflich daran, den Erfolg des Buches an den verkauften Exemplaren zu messen? Denn es geht doch soviel weiter.

Und das ist der Quintessenz. Viele werden jetzt die Augen rollen und die verkauften Exemplare als „nicht wichtig“ werten. Wie sooft ist doch der Weg das Ziel. Aber wer weiß, was ich mit dem Ergebnis der verkauften Exemplare mache? Wer sagt, dass dort der Weg endet? Vielleicht geht es viel weiter und es ist kein End- sondern ein Zwischenziel, das ich als Erfolg werte und deshalb so ausschlaggebend ist, weil es etwas viel Größeres bedingt– Motivation, Sinn oder den Blick für die Wichtigkeit der Thematik die es für die Menschen hat.

Und dann besinne ich mich kurz und erkenne, dass der Erfolg für mich darin liegt, die Möglichkeit zu haben, überhaupt schreiben zu können. Meine Gedanken zu konservieren und verwerten. Vielleicht nur für mich, vielleicht für meine Nachwelt und mein gegenwärtiges Macbook. Um meine Gedanken zu sortieren und auszumisten, Platz für Neues zu schaffen und meine Sichtweise ändern und drehen zu können. Meinen Erfolg daran zu messen, dass ich ein „Hobby“ habe und ausüben kann– etwas das mir Spaß macht, mir Sinn gibt und es zu einem wichtigen Lebensziel gehört, das ich verfolge und dem ich nachgehe – ohne die Wertigkeit der Anderen, die mich davon abhalten.

Einfach, weil ich will.

Instagram 

Und was wäre wenn es dieses Instagram nicht mehr gäbe? In einer Zeit in der der Erzähldrang auf einem Höhepunkt zu sein scheint? In der sich Menschen Vlogs von Wildfremden ansehen und man sich gute Laune durch Kommentare und Likes holt. Wenn es diese APP nicht geben würde und auch keinen sonstigen VERO Nachbau – dann gäbe es ein anderes Medium. Blogs und co. Und die wären dann mehr gefüllt, wahrscheinlich mit den gleichen Bildern, vielleicht eine Spur individueller und das Editieren der Instastories würde wegfallen und somit wäre das Essen vielleicht öfter wärmer. Aber wir Menschen haben ein Bedürfnis Dinge zu erzählen, zu teilen und zu erfahren. Wir möchten ein Bild von uns erschaffen, das manchmal über dem realen liegt, wir wollen die Leute um uns herum mitreißen, sie bespaßen und das erwarten wir auch im Gegenzug. 

Wir wollen Informationen und Inspirationen. Wir brauchen Anerkennung und oftmals nicht direkt ins Gesicht, sondern virtuell, denn damit kann man viel leichter umgehen und auch Komplimente verteilen sich so schneller. 

Es ist die Art der Interaktion mit der wir uns das Leben schlechter machen, unser eigenes verteufeln, den Anderen bewundern und wir das Gefühl und die Gedanken haben aus dieser Spirale nicht rauszukommen. Wir nicht sonderlich #fancy sind oder dem #skinnybitch Ideal entsprechen, die gewohnten Urlaube, Freunde, das Essen nicht mehr gut genug sind und wir uns nach etwas sehnen, das weder greifbar noch in Wahrheit real ist.

Was wären wir ohne Instagram?

Uns allen ein Stückchen näher? Wer weiß.

Weniger perfekt? Sicherlich.

So gute Fotografen? Niemals.

#healthylifestyleaddicted? Wohl kaum.

Glücklicher? 100% 

Doch es geht nicht um das ob, sondern um das wie. 

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