Thinkpiece: Let’s talk about sex, baby

So selbstbewusst und lässig diese Worte klingen, so muss ich gestehen, sind sie schneller getippt als mein Verstand einwirft, dass auch meine Mutter auf dieser Plattform mitliest. 

An dieser Stelle ein: Hey Mum. Du kannst rechts oben aufs X klicken 😉 

Sind wir ehrlich, wenn die Mutter-Tochter Beziehung nicht komplett in die Freundschaftsebene gerutscht ist und man sich beim Nägel machen über den letzten One-Night-Stand unterhält, gibt es da doch eine gewisse Barriere, die aufgrund unterschiedlichster Motive besteht – möge die Welt in mancher Hinsicht noch so offen und freizügig sein. 

Es fällt mir also nicht ganz so leicht meinem „Sex-Kolumnisten“ Herz nachzugehen, hätte ich doch einige speziell interessante Ideen und Gedanken zu diesem Thema. 

El James hatte auch schon ein paar Jahre mehr auf dem Buckel um darauf zu vertrauen, dass ihre Eltern andere Sorgen hatten als ihre Grey-Geschichten zu verfolgen; aber nun denn, die Fragen ihrer Kinder dürften sie lang’ genug wach halten.

Aber an dieser Stelle beginnt auch schon die eigentliche Diskussion zu diesem Thema. Warum mache ich mir Gedanken und Sorgen, diese Überschrift zu wählen, in das Thema einzutauchen und einen Text über Sex zu schreiben?!

Nicht wenige vor mir haben das gemacht und da bedarf es keines bestimmten Alters oder Erfahrung. 

Ist es Erziehung, die innere Einstellung oder pure Unsicherheit?

Interessant ist es ja, der Tatsache und Frage nachzugehen, warum wir in einer Zeit von ausgefallener Lingerie, Sexting, Porno-Plattformen ohne Login, so fucking prüde geworden sind.

„Prüde“ in unseren Köpfen – im Versteckspiel eigentlich auszulebender Lust. 

Weil wir auf ewig Daddy’s little girls bleiben wollen, wir unserem Bruder kein Release der eigene Gesangsaktstimme zukommen lassen und wir das Bild von der Braut im weißen Kleid und der damit verbundenen Symbolik bewahren möchten?

Nicht schmutzig zu sein, kein Bild von Unanständigkeit oder Verruchtheit entstehen lassen; vielleicht und besonders aufgrund der eigenen Position in der eigenen Geschwisterreihe, des Familienstands oder anderer, äußerer Umstände?

Denn klar, wenn ein Typ mehrere Mädls in einem kurzen Zeitraum mit Nachhause geschleppt hatte, wurde er mehr für die Tatsache abgeklatscht, als dass er mit einem Moral erfüllten Blick verurteilt wurde. Jedoch wird -ihr- dann im Elternhaus unter der Decke der Mund zugehalten, während man genau den Macho raushängen lässt, den Man(n) in seinen Nachrichten und den Filter überlagerten Fotos angekündigt und entstehen hat lassen. Einbisschen Rücksicht und Würde möchte er dann den Eltern doch noch entgegen bringen. Der Einfall, dass es Männer auf dem Gebiet doch irgendwie einfacher haben, ist damit wahrscheinlich geklärt. So easy haben es auch sie nicht.

Als Mädl den Macho raushängen lassen, gelingt nicht immer so leicht und wollen wir in den meisten Fällen ja auch garnicht – weil wir verdammt nochmal viel mehr nachdenken, überlegen welche Konsequenzen welches Verhalten auslöst und wie sehr sich die Sicht von anderen auf uns verändern würde; besonders die, die wir so bemüht in eine positive Richtung versucht haben, aufzubauen.

Wir erzählen unseren Freunden zu den besten Zeiten die intimsten Details und die eine oder andere „Abartigkeit“, aber den Menschen denen wir am aller engsten standen und uns seit Geburt an kennen, wird mit einem Schamgefühl in Bezug auf Nacktheit und Sexualität, vorallem der eigenen, gegenübergetreten.

Ich denke es geht um das eigene Selbstbild, das wir uns über die Jahre hinweg aufgebaut haben und nach außen hin vertreten. 

Die Privats- und Intimsphäre ist eben privat und intim und verändert sich stark im jugendlichen Alter. 

Es fühlt sich nicht „richtig“ an, über Lust und Verlangen mit einem Elternteil zu sprechen und ebenso würde es das Selbstbild ihnen gegenüber zerstören, mit dem wir selbst in der Phase hadern, weil die Ungewissheit über unsere eigene Person sooft nicht greifbar ist, weil die Suche danach, oft auch hormonbedingt, erschwert wird.

Ungehemmter Sex in jeder Lautstärke wird gern in Hotelzimmern praktiziert, weil – „es geht um nix“ und die Anonymität machts möglich und gibt uns eine gewisse Freiheit. 

Man möge fast meinen, dass der Respekt und der Schutz der Intims- und Privatsphäre durch „Ehrgeiz“ und „Wettkampfgeist“ getauscht werden. Mehr noch. Zu zeigen, dass man sexuell aktiv ist, der Beziehung also nach außen hin ein Etikett mit „intakt und sexuell ganz vorn dabei“ markiert.

Aber was ist es, dass uns diesen Spagat machen lässt? Dass wir in unserer Sexualität in einer gewissen Form angekommen sind und diesen Teil trotzdem so sehr versuchen zu verstecken und dann wiederum grenzenlos agieren.

Gehört Sexualität nur in unsere Beziehung zu uns selbst und unserem Partner, oder ist sie Teil unserer Persönlichkeit, die in allen weiteren Lebensbereichen unterdrückt und verheimlicht wird, weil es uns unsere Erziehung so lehrte, sie aber manchmal garnicht so fehl am Platz wäre, wie es sich vielleicht momentan anfühlt?

Und auf der anderen Seite – gehört der Umgang mit Sexualität einfach neu überdacht?

Dass wir aufhören uns über Brustwarzen unterhalten zu müssen, aber gleichzeitig gezwungen sind, unsere Display-Helligkeitsstufe runterzusenken, weil wir nie wissen, welche ungehemmten Pornopics um die Mittagszeit beim Durchscrollen auf Instagram aufpoppen? 

Lasst und das Neon- durch Tageslicht tauschen.

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