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Just another bloggergirl?

Man kann sagen was man will, aber in der heutigen Zeit einen Blog zu starten, ist nicht unbedingt einer der originellsten Ideen, die meine Generation momentan zu bieten hat. Doch nun finden auch meine Wörter Platz auf einer weißen Seite und wenn Du das gerade lesen kannst, hatte ich sogar einige Minuten zuvor den Mut auf „publishen“ zu klicken.

Doch wozu, warum und gerade jetzt? Wenn wir wirklich an den Beginn gehen wollen, muss ich die Ehrlichkeit siegen lassen und zugeben, dass ich vor einigen Jahren schon meine eigene Homepage hatte. Mit Logo, Emailadresse und den anderen Kram, der dazugehört. Die Domain ist nicht mehr verfügbar und ich würde sie beim besten Willen auch nicht mehr entstehen lassen wollen.

Ebenso der 2. Versuch.

Diesmal nicht so professionell, sondern selbst „designed“; dafür vom Inhalt anspruchsvoller als die schlecht fotografierte und mit wenig System gepackte Anleitung für eine Sachertorte (zu der Zeit auch noch nicht vegan). Damals nächtelang auf anderen Blogs herumgesurft, um mir das beste rauszupicken und im Endeffekt abzuschauen und auf den großen Erfolg gehofft. Aber auf welchen genau – weiß ich bis heute nicht.

Ich wollte niemals berühmt werden – damals nicht und heute schon garnicht. Aber eines wollte ich schon als kleines Kind; anderen Menschen eine Freude bereiten, in welcher Form auch immer. Im Laufe der Zeit ist das Bedürfnis nach Anerkennung gestiegen; aber nicht für meine Outfitposts – danke an dieser Stelle für schwarze Hosen und weiße Shirts; Anerkennung ganz allein für meine Arbeit – ohne „das Gesicht“ dahinter, wie eine wandelnde Werbefläche.

Klingt feig und ist es vielleicht auch – Bewunderung geht an alle Influencer da draußen – die sich schon mit 17 als Millionäre feiern, auf Basis ihr Leben mit der ganzen Welt zu teilen. Ich könnte es nicht – und ich weiß aus sicheren Quellen was für eine harte Arbeit das ist! Doch zurück zum eigentlichen Thema. Ich war der Meinung „das Schicksal“ wollte einfach nicht, dass mein Blog „berühmt“ wird. Innerlich genau wissend, dass ich das auf die Art, auf die ich es angezettelt hatte, garnicht wollte. Aber ich hatte schon immer einen großen Erzähldrang und das Schreiben und Tippen machte mir schon früh sehr viel Spaß.

Dass ich einfach ein Tagebuch schreiben könnte liegt nahe; aber der Erzähldrang der nach außen geht wird damit einfach nicht befriedigt. Ich will das Schicksal in dem Sinn eigentlich nicht noch einmal ein weiteres Mal herausfordern, aber „mein Opa will es so“. Wenn er in der heutigen Zeit leben würde, vielleicht hätte er schon einen Blog. Oder er würde weiterhin am Hochstand sitzen und in sein Buch schreiben, als Art Meditation und Rückbesinnung. Ich bin in der unfassbar schönen Lage, dass ich sein Buch in Händen halten darf und kann. Lange habe ich nach Gemeinsamkeiten gesucht und dabei lag sie schon lang in meiner Lade, wartend auf den richtigen Zeitpunkt. Sowohl sein Buch, als auch die Füllfeder, die mittlerweile 50 Jahre alt ist, verwende ich – und es gibt wenig Altes, das mich so glücklich macht, als sie aufzuschrauben und die Führung des Schwunges zu genießen.

Es ist interessant und spannend zugleich, wie ein damals 72 Jahre alter Mann auf sein Leben rückblickt und das dazu noch verschriftlicht. 2 Jahre nachdem er seinen Beruf als Arzt und den weißen Kittel an den Nagel gehängt hatte, schrieb er: „Anscheinend bewahrheitet es sich doch, dass alle geistigen (auch materiellen) Erfolge, die man schwer errungen hat, mehr Wert haben als leicht in den Schoß gefallene Geschenke des Schicksals. Und leicht war es gerade nicht, im Alter von 26 Jahren das Doktorat für Medizin zu erreichen“. Abgesehen vom Schicksalsgedanken, dass ich gerade diese Zeilen mit 26 Jahren lese, möchte ich doch darauf vertrauen, dass diese Worte, so weise sie klingen, auch stimmen mögen.

Dennoch denke ich, dass diese oft gehörten, an ihnen zu zweifeln Wert ist. Warum ist alles was keinen Preis hat, nichts wert? Muss ich mich „abrackern“, um nachher glücklich zu sein? Entsteht Zufriedenheit und Stolz durch Anstrengung und Mühsal? Wenn ja, gibt es dafür keine andere Lösung – nicht um es sich „einfach“ zu machen, sondern der Leitidee wegen, den Weg zum Ziel mehr genießen zu können und den Augenblick nicht als Stress zu definieren, sondern als etwas, dass es bewusst zu leben gehört?

Ich weiß es nicht. Jedoch gestaltet sich dieser Blog vielleicht als Selbstversuch. Wir werden sehen. Oder lesen.

Und auch ich beginne, wie mein Opa mit dem Gedanken: „Wenn man etwas Neues beginnen soll, (…) ist es angezeigt, an den Anfang eine Pause zu setzen! Es klingt vielleicht paradox, aber haben wir nicht alle ein Vorbild darin zu sehen, dass der erste Tag jeder Woche immer ein Sonntag ist?“

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. (Hermann Hesse)

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