Zwischen Louis Vuitton, Bescheidenheit & Glück. #Minimalismus Part I

 

I wish everyone could become rich and famous so they could realize it’s not the answer.  Jim Carrey.

Wer sonst kann so was sagen – Es muss jemand sein, der reich und berühmt ist, um sagen zu können, das es nicht wert ist.

„Du denkst, dass mehr Geld dir mehr Sicherheit gibt. Das Problem ist, dass du es nicht unbedingt in der Hand hast, mehr zu verdienen. Eine Sache, die du in der Hand hast, ist, weniger auszugeben. Worüber du die Kontrolle hast, ist, weniger zu haben, und wenn du weniger hast, reicht das, was du hast, automatisch länger“. Patrick Rhone.

Der Weckruf via Netflix

Der Film „Minimalism. A Documentary About the Important Things.“ wurde mir auf meiner Netflix – Serientour schon des Öfteren angezeigt. https://www.netflix.com/

Ich war aber -meist abends- auf der Suche nach „seichter“ Unterhaltung – kein Drama oder Horror; eine Serie oder einen Film bei dem ich nicht allzu viel nachdenken muss, oder mich im Denken allgemein zu sehr anstrengen musste.

Mittlerweile bin ich an einem Punkt an dem ich in Bezug auf Filme und Serien sensibler und bewusster agiere. Schon lange kann ich keine Horrorfilme mehr sehen, meine Leidenschaft zu Grey’s Anatomie musste ich ab einer gewissen Staffel komplett streichen und besonders bei Filmen in denen das Drama und eine gewisse psychisch, pathologische Genialität unbewusst vermittelt wird, hatte ich oft einige Nächte zu knabbern.

Weil diese Sensibilität immer „schlimmer“ wurde, empfand ich sie als eine negative Eigenschaft. Ich höre nicht gern Radio aufgrund der Nachrichten (und wiederholten schlechten Lieder) und ich lese keine Zeitungen, weil diese Nachrichten und Messages die einem übermittelt werden an mir nicht spurlos vorbeigehen. Und ich glaube mittlerweile, dass ich nicht die Einzige bin. Viele haben vielleicht nicht die Möglichkeit sich so „abzuschotten“ von der Nachrichtenüberflut, weil sie sowohl am Smartphone als auch in der Ubahn fast unumgänglich sind, aber ich denke, dass sie vielmehr auslösen als einem wirklich bewusst ist.

Kurzer Ausschweif in diese Richtung.

An einem Nachmittag eines Feiertags war es dann soweit. „Minimalism“ – jetzt war ich bereit dafür. Und jetzt, nachdem ich ihn fertig gesehen habe, habe ich das Bedürfnis zu schreiben.

Aber wo ich beginnen soll…?!

Was ich weiß ist, dass ich mich mit dem Thema unbewusst schon des Öfteren beschäftigt habe, aber zu feig war/bin mich damit wirklich ganz bewusst auseinanderzusetzen. Es scheint mir einfach so unglaublich radikal.

Aber nach dem Film habe ich für mich doch auch einen anderen Aspekt gefunden, einen vielleicht für mich passenderen.

Es ist wie in jeder Thematik so – genauso wie beim Thema Veganismus. Wenn man am Anfang steht und total überfordert scheint – es muss immer für einen persönlich passend und stimmig sein und man sollte keine Vorgehensweise kopieren, sondern es nach seinem Tempo angehen und laufen lassen.

Der Film gibt Möglichkeit für sich sowohl eine Entscheidung zu treffen, aber auch sich bloß zu informieren und einen Blick über den Tellerrand zu wagen. Wie weit man gehen möchte sollte jedem selbst überlassen sein.

Konsum

Die Thematik was Konsum in uns auslöst (auslösen kann), bzw. warum wir soviel konsumieren und uns oftmals darüber definieren ist unglaublich spannend.

Ich persönlich bin auch gern am neuesten Smartphone – Stand und liebe die neueste Technik, genauso wie schnelle Autos und schöne Uhren. (Klischee lass nach.)

Mode ist für mich ein ganz eigenes Thema. Ich mag schöne Kleidung, aber brauche ich sie um mich darüber zu definieren und auszudrücken?

Indirekt ja. 

Es macht eigentlich jeder. Denn man zieht sich nach seinem Empfinden an und auch Menschen die das nicht tun, weil sie sich nicht trauen, oder ihren eigenen Stil in Wahrheit garnicht kennen und somit andere Menschen und deren Stil kopieren – auch die drücken mit dem Kopieren der Kleidung etwas (über sich) aus.

Ich persönlich mag es schlicht und nicht zu bunt und auffallend, aber doch auch spezielle Dinge – und so bin ich als Mensch und das wird sich in meinem Kleiderschrank (mittlerweile) auch finden.

Es gab schon 1-2 Momente an denen ich die Dokumentation abbrechen wollte, weil sie etwas langweilig wurde. Weil wir natürlich schon oft über die Konsumgesellschaft gehört- und gelesen haben und wir innerlich auch wissen, dass dieses ständige Einkaufen das betrieben wird, angeblich eine gewisse Lücke füllen soll, die sie dann im Endeffekt nicht tut und wir weiterhin in unserem neuen Zarakleid mit der Chanel Crossbody umgehängt, duftend mit dem Gucci Bloom heulend am Boden sitzen, weil wir ja doch irgendwie nicht ganz so glücklich sind. Auch wenn die Fashionblogger mit dem gleichen Outfit bis zu den Ohrläppchen lächeln und dabei ein tolles Avocadobrot mit ihren „fancy Girls“ in ihren Size-0 Körper quetschen; aber was ist es, dass wir immer mehr wollen, obwohl wir gerade erst die langersehnte Tasche gekauft haben und wir Kleidung in unseren Kästen haben an denen noch das Preisschild hängt?

Konsum vs. Glück 

Irgendwie bestätigt sich das Sprichwort, dass man Glück nicht kaufen kann doch des Öfteren. Denn wie oben erwähnt, diese materielle Dinge, so schön sie auch sind und einem eine Art Glücksgefühl beim Einkaufen und Tragen geben können – „Glück“ und „Zufriedenheit“ sind spürbar was anderes, wenn man einen Kauf eines Designerstücks um 2.850 Euro mit einer freudvollen Aktivität z.B. in Kombination mit einer nahestehenden Person vergleicht. Es klingt kitschig, aber genau dieser Kitsch dürfte offenbar im Alltag doch sehr viel fehlen.

Jesse Jacobs erläutert das in der Dokumentation ganz gut wie ich finde …“deswegen sind Lottogewinner auch so unglücklich. Deswegen haben Hausbesitzer Garagen für 3 Autos. Das erste Auto erzeugt einen exponentiellen, tollen Rausch von Glück und Freude und Nützlichkeit. Das zweite Auto folgt, weil wir des ersten Autos müde werden. (…) In Wahrheit ist es eine Sucht. Und wir werden dazu ermutigt, die Sucht aufrecht zu erhalten durch Technik und Information.“

Durch viele verschiedene Faktoren wird uns vorgelebt wie unser Leben auszusehen hat. Dass man diese Dinge braucht. Durch Werbung, Facebook, Instagram wird gezeigt „was“ schön ist und wie man auszusehen hat – und in weiterer Folge, dass du dadurch glücklich wirst. Denn die Fotos sind alle meist wunderschön, in Szene gesetzt mit 4 verschiedenen Foto-Apps und Filtern überlagert und einer ach so schnulzigen „Caption“ versehen.

Wir fühlen uns nicht nur unter Druck gesetzt, sondern streben diese Utopie und Illusion wenn nicht bewusst, dann oft unbewusst an und stellen uns Fragen, wie man möglichst nahe an diese Zielsetzung und die vorgelegten Reize kommt. Doch genau das lässt uns in einen Strudel der Unzufriedenheit und bestenfalls in die Suche der Sinnhaftigkeit geraten – bei dieser aber die Gefahr besteht keine Lösung zu finden und oftmals in eine Depression reinzuschlittern.

Was durch die geschrieben Zeilen vielleicht auffällt ist die riesige Spannweite die dieses Thema zieht. Auch ist es ist gerade für mich schwierig den roten Faden zu halten und nicht in die verschiedensten Auswirkungen und „Nebenthemen“ hineinzufallen – aber damit sei aufgezeigt, wie weit und mächtig das Ganze in Wahrheit ist und sich bewusst zu machen wie stark dieses im eigenen Leben herrscht und wie zufrieden man damit ist.

Noch spannender und interessanter fand ich dann als es zum Thema der „Leistungsgesellschaft“, Minimalismus in Bezug auf Arbeit und auf das „Erfolgreichsein“ kam.

Da aber dieser Beitrag schon so unglaublich lange geworden ist, möchte ich auf diesen in einem „Minimalismus Part II“ eingehen, besonders weil die Thematik vielfältig und komplex und sowohl gegenwärtig, als auch zukunftsorientiert gesehen sehr wichtig ist.

Quintessenz 

Balance is the key. Wie sooft.

Ich habe in den letzten Monaten, bzw. mittlerweile schon im letzten Jahr den Drang verspürt auszumisten – regelmäßig. Und diesem bin ich auch nachgegangen – mehrmals. Ich war richtig besessen von meinen Sachen, die ich von meinem 1. bis zum 3. Umzug allesamt mitgenommen habe und wie wild darauf bedacht war, dass alles wieder seinen Platz findet und nichts abhanden kommt.

Mittlerweile möchte ich diese ganzen vollgestopften Kästen nicht mehr haben. 200 paar Schuhe von denen ich 10 Paar anziehe und mich beim Kasten aufmachen selbst überfordere.

Dieses Ausmisten hat beim Gewand begonnen, aber ich liebe diese Luftigkeit, die sich breit gemacht hat, als ich mein Arbeitszimmer neu sortierte und einrichtete. Und auch meine Yves Saint Laurent, Louis und wie sich nicht alles heißen, sind froh, dass sie nun mehr Platz haben. Und nein, der Platz für Gewand, Taschen, Schuhe und Schmuck ist nicht klein – er ist sogar größer als er eigentlich sein sollte. Und ja. Ich habe und trage diese Designer Sachen. Solange wie ich möchte, sie mir Spaß machen und ihren Zweck erfüllen; weil ich es kann, will oder als Status Symbol. Who cares?

Ich mag die Überschaubarkeit und damit auch eine gewisse Sauberkeit die sich in meinen Kästen und Läden entwickelt hat und das angenehme Gefühl Dinge wegzugeben, die mich nicht mehr glücklich machen.

(Kann man natürlich auch auf andere Bereiche in seinem Leben übernehmen …)

Ich möchte aber in Zukunft auch mehr auf die Qualität achten und kaufe lieber einen qualitativ hochwertigen und höherpreisigen Pullover als den 30. in einer schlechten Qualität, der mich zum Teil .) nicht warm hält .) und ich ihn schon das 3. Jahr unangezogen im Kasten liegen habe. Ja, ich bin ein typisches Schneemännchen was Wärme angeht – im Juli geboren, was soll man dazu noch viel sagen. Und wenn ich eine Lücke in einer Phase meines Lebens zu füllen habe, in der ich meine, dass sie mir zwar durch das neue Paar Schuhe zwar nicht gefüllt wird, aber durch ein „nettes Kauferlebnis“ ich mir etwas Gutes getan habe, dann soll es so sein – und auch andere über ihr Kaufverhalten zu definieren und urteilen ist nicht sonderlich preiswert.

Wichtig meiner Meinung nach ist es aber, sich über diese Thematik zu informieren und sein Verhalten und die Ansicht darüber ab und an in Frage zu stellen und sich den Dingen bewusst zu stellen. Qualität, Quantität, Firmen und den Konsum im Allgemeinen in Frage zu stellen, um auch bewusster agieren zu können.

„Weil du etwas Beliebiges tun kannst, was du willst, kannst du theoretisch alles tun, was du willst. aber um alles zu tun, was du willst, musst du die Dinge opfern, die wirklich wichtig sind. Wenn es um das Überwältigtsein geht, besteht die einzige Lösung darin, es abzuschalten. Ehrlich, schalte es einfach ab.“ Patrick Rhone.

3 Kommentare zu „Zwischen Louis Vuitton, Bescheidenheit & Glück. #Minimalismus Part I

  1. Danke für den Beitrag und schön zu sehen, dass das Thema Minimalismus immer öfter aufgegriffen wird.
    Schade finde ich die Seitenhiebe auf andere BloggerInnen, die ihre Fotos mit Filtern bearbeiten und so eine perfekte Welt suggerieren („Durch Werbung, Facebook, Instagram wird gezeigt „was“ schön ist und wie man auszusehen hat – und in weiterer Folge, dass du dadurch glücklich wirst. Denn die Fotos sind alle meist wunderschön, in Szene gesetzt mit 4 verschiedenen Foto-Apps und Filtern überlagert und einer ach so schnulzigen „Caption“ versehen.“), wenn aber im selben Moment auch dein Blog voll von gefilterten Top-Fotos ist. Das ist nicht sehr authentisch und man fragt sich, wofür dieser Blog wirklich steht.
    Eine Anregung zum Weiterdenken noch: Minimilaismus kann in Bezug auf Nachhaltigkeit weitergedacht werden und wenn schon auf Qualität bei z.B. hochpreisiger Mode achten, dann sollten auch Luxusmarken nicht unreflektiert als „gut“ oder „besser“ angesehen werden. Leider zahlt man bei vielen hauptsächlich den Namen und bekommt dafür keine Garantie für weniger Chemie, mehr Umweltschutz, bessere Arbeitsbedingungen etc.
    Dazu gibt es bereits diverse Rankings:
    https://rankabrand.de/luxusmode/page/1
    http://www.cleanclothes.at/firmen-check/
    Kritische KonsumentInnen braucht’s in unserer heutigen Zeit 😉
    Viel Spaß beim Weiterdenken und LG

    1. Liebe(r) DaSumSum!
      Danke für Deine konstruktive Kritik! Bei den Seitenhieben muss ich einhaken! Natürlich ein wenig provokant geschrieben- darf, es -auch wenn der Blog und Inhalt ernst gemeint und geschrieben sind, mit einem Hauch Humor aufgenommen werden, jedoch möchte ich jetzt meine Ernsthaftigkeit, die ich damit ausdrücken wollte nicht abmildern.
      Mit diesem Absatz möchte ich die Arbeit, die BloggerInnen mit ihren Fotos und der Nachbearbeitung haben auch nicht mindern, oder nicht wertschätzen! Ich mache jedoch schon einen Unterschied- und der ist für mich persönlich ganz ausschlaggebend- in der Bezugnahme der Themenwahl. Zuerst: danke für das Kompliment zu meinen Fotos. Ich gebe Dir auch Recht, dass meine „Stellungnahme“ missverstanden werden kann. Danke auch für den Hinweis und fein, dass auch hinterfragt wird. Meinen ausschlaggebenden Unterschied und die ausführliche Rechtfertigung ist nicht unerheblich. Mein Blog soll „Playground & Guideline“ sein. Ich inspiriere gerne mit „schönen Fotos“, z.B. mit Ideen wie ein Raum aussehen könnte; natürlich werden die Fotos bearbeitet, um noch ein Stück ansprechender auszusehen.
      Es geht in meinem Blog unter anderem ums „Wohlfühlen, ästethische Wohnen“ und nein, ich unterstütze keine Facelift Fotos die auf Körper & Co. gelegt werden. Der Unterschied ist wesentlich, meiner Ansicht nach und hat besonders im „Beautybereich“ unglaublich große Auswirkungen.
      Schade, dass die Botschaft meiner Beiträge und Fotos anders aufgenommen wird, als erwünscht, aber einen Unterschied zu einer Fashion-und Beautybloggerin ist doch deutlich feststellbar.

      Bzgl. Nachhaltigkeit kann ich Dir zu 100% zustimmen. Deshalb auch meine Anregung „Firmen zu hinterfragen“. Dass Luxusmarken als „gut“ oder „besser“ anzusehen sind, hab‘ ich auch nicht gesagt. Mit meiner „höherpreisigen“ Wahl anstatt eines weiteren Pulli, sollte metaphorisch den Blick auf Qualität statt Quantität richten, und diese muss jeder für sich selbst finden, da auch hier viele unterschiedlicher Ansicht sind. Für die Einen bedeutet es einen besseren Stoff, für Andere die Nachhaltigkeit im Sinne der Produktion und co.

      Vielen Dank für Dein Kommentar – und ich denke auch, dass Nachhaltigkeit ein nächster großer Schritt sein wird, der zukunftig gegangen werden sollte.

      Alles Liebe ! 🙂
      Marie.

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